Das Stöcklin Energiekonzept
Unter der Bezeichnung «Stöcklin Energiekonzept» finden sich Funktionalitäten und Massnahmen innerhalb des Stöcklin Warehouse-Management-Systems und der Stöcklin Steuerung, die in den Dienst des aktiven Energiesparens gestellt werden. In Zeiten stetig wachsender Energiepreise richtet Stöcklin ihre Entwicklungsvorhaben seit einiger Zeit verstärkt in Richtung aktives Energiesparen aus. Die nun zur Verfügung stehenden Funktionalitäten ermöglichen Gesamteinsparungen an Energie von bis zu 20%.
Die Systeme aufeinander abstimmen
Die tatsächlich erzielbaren Stromeinsparungen sind allerdings erheblich von der angewandten Lagerstrategie und dem benötigten Lager-Output mit Einbezug des Faktors Zeit abhängig.
Wichtig in diesem Zusammenhang ist zudem die zielgerichtete Anwendung des verwendeten ERP-Systems. Ein Grossteil der Energieeinsparmöglichkeiten muss bereits dort beginnen.
Es ist demnach extrem wichtig, alle vorhandenen Systeme, ERP-System, Warehouse-Management-System, Steuerung und Antriebstechnik eng auf ein gewünschtes Energiesparziel abzustimmen.
Deshalb sensibilisieren die Mitarbeiter von Stöcklin die künftigen Lagerbetreiber bereits im Vorfeld von Planung und Konzipierung eines Lagerhauses, auf mögliche Energieeinsparungen. Schon die Auslegung des Lagerlayouts spielt dabei eine wichtige Rolle.
Letztlich kann aktives Energiesparen nicht allein auf die Lagertechniksysteme reduziert werden.
Fehlt die entsprechende Denkhaltung bei den Betreibern des Lagers, so werden die vorhandenen Systeme beim Energiesparen nur teilweise erfolgreich sein.
Aus diesem Grund legt Stöcklin grossen Wert auf die Schulung der Lagermitarbeiter und hilft damit, bei allen Beteiligten ein Gespür für das energiesparende Betreiben des Lagers zu entwickeln.
Die Lagerbenutzer werden in die Lage versetzt, die Systeme so anzuwenden, respektive operative Entscheidungen zu treffen, dass tatsächlich grosse Energieeinsparungen daraus resultieren.
Das Energiekonzept von Stöcklin arbeitet in zwei Richtungen, um nicht nur Energie, sondern vor allem Kosten respektive Energiegesamtbezugskosten zu senken und so gut es geht zu vermeiden.
Die Mässigung gewisser Stromspitzen kann unter Betrachtung der Stromtarife zu erheblichen Kosteneinsparungen führen. Bei Hochspannungsbezügern spielt zudem die notwendige Dimensionierung des Transformators eine wichtige Rolle, da dieser auf die benötigte Stromspitze ausgelegt werden muss. Wird dies bei der Planung nicht berücksichtigt, können Kostensprünge nach oben die Folge sein.
Verschiedenste Massnahmen helfen, die Energiekosten zu senken und somit die Umwelt zu entlasten. Um die Vielzahl der Möglichkeiten aufzuzeigen, haben wir Ihnen hier einen Auszug aus Massnahmen und Funktionen zusammengestellt.
Massnahmen im Bereich der Lagerstrategie
• Kategorisierung des Artikelstammes nach Auslagerhäufigkeit. Je häufiger gewisse Artikel benötigt werden, umso näher werden sie an den Kommissionierplätzen gelagert (ABC-Strategie). Eine Auswertung der Auslagerhäufigkeit der Artikel liefert die dazu benötigten Daten.
• Bei notwendigen Umlagerungen wird die Lagerplatzvergabe so gewählt, dass möglichst kurze Wege entstehen. Vermeidung von gemischter Belegung von Lagerplätzen und Behältern. Dadurch Vermeidung der Aus- und Wiedereinlagerung von Artikeln, die gar nicht benötigt werden.
• Vorsortierung der Ein- und Auslageraufträge nach Lagergassen. Artikel können damit gassenweise aus- bezw. eingelagert werden. Mehrere Behälter werden zusammen transportiert. Dadurch Einsparung von Fahrstrecke.
Setbildung (zusammengehörige Artikel werden zusammen gelagert).
• Ein- und Auslagerung erfolgen zusammen damit ein Zusammensuchen von zusammengehörigen Artikeln (Set) vermieden werden kann.
• Häufig benötigte Artikel werden nicht durch selten benötigte im Gestell verdecken. Die Wahrscheinlichkeit im Wege stehender Behälter verringert sich dadurch, was Umlagerungen zu vermeiden hilft.
Massnahmen im Bereich der Lagerauslegung
• Einrichtung von Zonen im Lager, die sich in der Nähe der Kommissionierungsarbeitsplätze befinden. Häufig benötigte Artikel werden dort eingelagert, um damit eine Reduktion von Fahrwegen zu erreichen.
• Behälter so auslagern, dass die Artikel für mehrere Kommissionieraufträge entnommen werden können. Dadurch Einsparung von unnötigen Fahrten, da ein Behälter für mehrere Kommissionierungen nur einmal aus- und wieder eingelagert werden muss.
Massnahmen in Abhängigkeit der Anwendung des ERP-Systems
• Das ERP-System berücksichtigt bei der Auslösung von Ein- und Auslageraufträgen die voraussichtliche Aus- und Belastung der Anlage. Daraus resultiert eine bessere Koordination der Fahraufträge.
Massnahmen im Bereich der Anlagensteuerung
• Um das Überschreiten gewisser Stromgrenzen und somit unnötige Kosten zu vermeiden, kann man den maximalen Spitzenstrom durch zeitversetztes Starten der Geräte begrenzen.
• Strom, den ein Antrieb im generatorischen Betrieb, beispielsweise beim Herunterfahren von Waren aus hoch gelegenen Lagerplätzen (Bremsenergie), bereitstellen kann, wird an anderer Stelle genutzt.
• Durch aufeinander abgestimmte Ein- und Umschaltzeitpunkte der Fahr- und Hubbewegungen erreicht man eine Energieoptimierung.
• Durch die Justierung der Beschleunigungs- und Fahrgeschwindigkeit im Zusammenhang mit der Fahrstreckenlänge kann unnötiger Energieverbrauch vermieden werden, denn auf kurzen Strecken bringt eine hohe Beschleunigung keine Vorteile.
• Mit dem Einsatz einer Netzrückspeisung sind Energieeinsparungen von bis zu 50% möglich. Dabei wird Energie, die im laufenden Betrieb generiert, aber nicht benötigt wird, ins öffentliche Stromnetz gespeist.
Stromspar-Funktionen in der Lagerplatzverwaltung (LOC) und Materialfluss-Controller (MFC)
• Bei der Vergabe von Fahraufträgen werden die Tarifzeiten bzw. Hoch- und Niedertarif berücksichtigt. Dementsprechend werden die Umlagerungen und Lageroptimierungen vorwiegend zu Niedertarifzeiten ausgeführt.
• Da das Einlagern von Waren in die oberen Palettenetagen viel Energie benötigt, werden diese Arbeiten in den Niedertarifzeiten vorgenommen.
• Auslagerungen von hochgelegenen Lagerplätzen werden während der Hoch- und tiefgelegene Lagerplätze während der Niedertarifzeiten getätigt. Denn während des Herunterfahrens von Lagergütern wirken Antriebe als Generatoren und geben Energie ab, welche an anderer Stelle genutzt werden kann.
• Bedarfsgerechte Vorgabe von Geschwindigkeit und Beschleunigung, die Geräte fahren nur mit der Leistung, die gerade benötigt wird.
• Um Leerfahrten zu vermeiden, werden beim Hineinfahren ins Regal Einlagerungen vorgenommen und bei der Rückfahrt wird Ware ausgelagert.
• Der Materialfluss-Controller versetzt die Gerätesteuerung bei längerem Nichtgebrauch in einen stromsparenden Stand-by-Modus.
Selbstverständlich ist nicht nur über die Geräte-Steuerung eine Optimierung möglich, doch lassen sich bereits durch diese Massnahmen extreme Verbesserungen erzielen.